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Gefallene Engel

Auf dieses Gedicht bin ich recht stolz. Ich habe es vor ca. einem halben Jahr geschrieben, das war damals eine schwierige Zeit für mich. In diesem Gedicht, wie in einigen anderen, habe ich die Trennung von meiner damaligen Ex-Freunding noch einmal ein wenig aufgearbeitet. Außerdem war ich von einem Lied von Mantus -Kleiner Engel flügellos- inspiriert und das Engel-Thema fand ich sehr schön. Es ist das längste Gedicht, das ich bisher geschrieben habe, und erzählt eine herrliche Geschichte :)

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Gefallene Engel

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Einst sah ich einen Engel, ein Wesen ach so rein und schön

zwischen den Schatten wandeln, im Dunkel meiner Wege gehn.

Am Rande dieser Welt wo ich mich heimisch wohl gefühlt,

schein er auf mich zu warten, hat meine Sinne dort betört.

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Denn als ich ihn erblickte da schrie mein Herz und sprang und barst,

ob dieser einen Schönheit die ich in seinem Inner`n laß,

ob dieser holden Reinheit, die sich da in mein Wesen fraß,

die mich besaß, vom Augenblick

als ich sie sah und starb ein Stück.

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Solch Wesen dacht ich wären längst schon in den Geschichten grauer Zeiten

verloren in der Bücher Seiten und aus dieser Welt verbannt,

und waren niemals da gewesen, entstammten nur des Traumes Land,

am Weltenrand wo nur ein Geist

der weit ausschweift bei Zeiten reist.

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Doch hatt` ich sie in dieser Welt gefunden und erreicht,

da schein es mir als ob ein Traum mich wie ein Nebel streift

und war betört und tief berührt, das das was ich mir lang ersehnt,

und dann als Kindertraum verbrannt dort lebend, strahlend vor mir steht.

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So trat ich näher, kam dem Engel ganz nah und sanft fragt` ich ihn dort,

ob er sich Meiner nicht erbarme mit mir zu sein an diesem Ort,

in dieser Welt in der kein Zweites, kein weitres Wesen seiner glich,

in dieser Welt in der nur selten ein solches Licht die Nacht durchstrich.

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Doch als der Engel dann erst zögernd, zu mir hin trat und mich erhob,

als ich ihn fassen, streicheln durft, als er sich mir dort offen bot,

da sah ich, spührt ich seine Wunden die ihn ins Dunkel dort gebannt,

da lag vor mir ein Bündel Scherben das sich in weltens Qualen want.

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O elend, wütend kroch der Schmerz da in meinen Geist und mein Gebein,

was war geschen mit dem Wesen, so engelsgleich und hoch und fein,

und doch gebrochen, doch verschüttet dort unter Hierseins hartem Stein

in Staube kroch und bebend zitternd in Qualen schein erstarrt zu sein.

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Ich wollt es nehmen, wollt es halten, ihm geben was ich geben konnt,

war so gerissen und geschüttelt von dieser dunkelsten Vision,

des Engels, der dort ohne Flügel, im Dunkel kroch und freirend auch,

so wollt ich geben meine Wärme, ihn tragen den Himmel hinauf.

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Nur war nicht Kraft die ich besaß, noch Wärme die ich spenden konnt,

noch Liebe die mich dort zerfraß genug für diesen toren Traum,

in dem ich mich vom Schmerz gebunden, von Stolz und von Unbeugsamkeit,

alsbald verlor und mich versetzte und mich so von mir selbst entzweit.

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Und einsam saß ich dann im dunkel, die Kraft verbraucht und suchte mich,

doch immer denkend an den Engel, der für mich einem Lichte glich.

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Dort suchend fand ich mich bald findend, ein Stück von dem was mir entronnen,

und zog erneut mit frischer Kraft, in meinen Kampf, von mir ersonnen,

der Engel mir zur Seite stand, nun musste ich ihn nicht mehr schützen,

schein mir als Quelle reiner Kraft mich auf dem neuen Weg zu stützen.

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Nur als wir dann den Weg dort gingen und dort zusammen, Hand in Hand,

durch Trümmer unsrer Welten streifen, da drängte es uns an den Rand

und nach und nach verlorn wir uns, und sahen was uns wohin treib,

dann sprang der Engel plötzlich, schreiend, von meiner Seite wie vom Hieb

der schweren, grausgen Schicksalsaxt von mir getrennt und nun entzweit

als er gesehen was bisher der liebes Blindheit ungezeigt

und wohl verhüllt in schönem Denken über das Kleid der Welt gelegt,

und was bei Zeiten große Not dem Träumer von den Augen fegt.

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Das ich genau wie dieser Engel ein Engel in den Trümmern war,

doch wärend er dem Wunsche folgend, dem seine Not ihm dort gebar,

den anden in ihrem Treiben, das ihm nur gut und recht erschein,

zu folgen von mir scheinden musste, den nimmer wollte ich dorthin.

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Und so sah ich den letzten Engel den ich in dieser Welt gesehn

unter dem Brechen meiner Welt sanft lächelnd in den Tode gehn.

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