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Dingeringen

Dieses Gedicht habe ich vor ungefähr einem halben Jahr geschrieben. Es philosophiert dunkel über das Miteinander und Nebeneinander von Menschen, wie es erlebt werden kann und was davon erhofft wird.

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Dingeringen

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Tausendfach ein zerrend Drängen um mich herum, in mich hinein,

wie tausend Klauen mich zu fassen dringt alles stetig auf mich ein,

und prasselt ohne Unterlass,

ganz ohne Gnade gegen das,

was man in dieser Dingewelt,

auf dieser Scheibe, für mich hält.

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Und auch die andern Menschendinge die dort von jedem unerkannt

durch unser Tatentreiben hasten, auch sie berührn mich nur am Rand,

wie ich auch sie stets nur berühre, mit feigem Tasten dann und wann,

wenn mich der Dingerausch erneut im Tatenrausch erdrückt und dann,

dann zaudre ich dort zögernd, bangend, ob Sinn und ob feiger Gewähr,

das all mein Dummedingedenken doch mehr als bloße Rauschlust wär.

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Und kratz dann diesen Augenblick, den alle sich unendlich denken,

mit meinem Wunsch an Menschenschalen, will sie zu meinem Vorteil lenken,

und will sie formen so das wir uns dort so gleich sind nur das mir

im Dingerücken dieser Welt das Leiden ein Stück leichter fällt.

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So dräng ich zerrend, tausendfach

gegen der Schalen Ungemach

und ohne Unterlass hinein,

will dort in Gunst verzeichnet sein,

und will für mich ein Stückchen Welt,

das es aus dieser Schale fällt,

das es in meine Hände fällt,

mein Schlüssel in die Anderstwelt.

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Dort sind die Dinge schön und bunt,

das Dingerücken dort gibt Kund,

vom Muster, lebend, werdend, groß

und legt der Schalen Kerne bloß,

die Dingemenschen, sie sind dort

so eins mit mir und immerfort

verschmelzen Dinge, trennen sich

und wandeln dort so wunderlich,

ein Wahnspiel ach so undinglich!

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Doch wenn ich mich dem Spiel hingeb,

mich über mein Dingsein erheb,

mich räkel in dem bunten Treiben

dann drängts mich plötzlich, kann nicht bleiben,

denn dort von überall bald her

da drängen Dingemenschen sehr

und kratzen mich an meiner Schal

und rütteln mich in großer Qual

und schütteln hart mich, tausendmal,

bis ein Stück Welt zum andern mal,

in ihre Hand aus meiner Schal,

hinausfällt dem zum Seelenmahl.

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